Lissencephalie

Der Terminus Lissencephalie umfasst eine Gruppe seltener Fehlbildungen, die als gemeinsames Merkmal eine veränderte Erscheinung der Hirnwindungen haben (vereinfachte oder fehlende Faltung), verbunden mit abnormer Organisation der kortikalen Schichten als Folge neuraler Migrationsdefekte in der Embryogenese. Nach der genetischen Ätiologie werden 4 Formen unterschieden: Lissencephalie mit Mutationen im LIS1-Gen (isolierte Lissencephalie und Miller-Dieker-Syndrom), Lissencephalie mit Mutationen in den TUBA3- und DCX-Genen und Lissencephalie mit Mutationen im ARX-Gen (X-chromosomale Lissencephalie mit Agenesie des Corpus callosum, das XLAG-Syndrom). Die Prävalenz bei Geburt beträgt für alle Formen der Lissencephalie etwa 1:100.000. Die isolierte Typ-1-Lissenzephalie in ihrer schweren Form ist der häufigste Typ der Lissencephalie und wird deshalb auch als klassische Lissencephalie bezeichnet. Als Hauptsymptom findet man beiden Betroffenen eine Gehirnoberfläche mit einem nahezu fehlenden Gehirnwindungsrelief. Charakteristische Befunde im MRI sind die Agyrie oder auffällig breite zerebrale Gyri (Pachygyrie)und ein auffällig verbreiterter zerebraler Kortex (1 bis 2 cm im Vergleich zu normal 2 bis 3 mm).Weitere Befunde sind vergrößerte Seitenventrikel (vor allem im hinteren Anteil), ein fehlgebildeter oder hypoplastischer, jedoch nicht fehlender Balken und ein Cavum septi pellucidi et vergae. Der Gehirnstamm und das Kleinhirn sind bis auf eine bei einigen Patienten leichte Hypoplasie und Aufwärtsrotation des Vermis unauffällig. Die Verdachtsdiagnose kann pränatal (meist erst in hohen Schwangerschaftswochen) sonographisch sowie mittels MRI gestellt werden. Kinder mit diesem Typ der Lissencephalie leiden meist unter einer globalen Retardierung mit schweren kognitiven Störungen und einer ausgeprägten Muskelhypotonie, die sich zu einer spastischen Tetraparese entwickeln kann, einer früh einsetzenden, schwer behandelbaren Epilepsie.

Untersuchte Gene
PAFAH1B1 (LIS1) (MIM: 601545)

Stufendiagnostik
Stufe 1 MLPA-Analyse PAFAH1B1
Stufe 2 Sequenzierung PAFAH1B1

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